TRAININGSZONEN RADFAHREN

Trainingszonen im Radfahren bilden die Grundlage für ein gezieltes und effektives Ausdauertraining. Sie ermöglichen es, Belastung präzise zu steuern, Trainingsreize bewusst zu setzen und Fortschritte messbar zu machen.

Im Gegensatz zu anderen Ausdauersportarten wie dem Laufen, bei dem häufig Herzfrequenz oder Pace im Fokus stehen, erfolgt die Steuerung im Radsport in erster Linie über die Leistung in Watt. Ausgangspunkt ist dabei die sogenannte Functional Threshold Power (FTP) – also die maximale Leistung, die über etwa eine Stunde konstant gehalten werden kann.

Auf Basis der FTP lassen sich die Trainingsbereiche in sieben Zonen einteilen. Diese reichen von sehr lockeren Einheiten zur aktiven Erholung bis hin zu hochintensiven Belastungen im Bereich der maximalen Leistungsfähigkeit. Jede Zone verfolgt dabei ein klares physiologisches Ziel – etwa die Verbesserung der aeroben Basis, die Steigerung der Schwellenleistung oder die Entwicklung der VO2max.

Die Einteilung in Leistungszonen hat sich insbesondere durch das Modell nach Coggan etabliert und wird heute von den meisten Trainingsplattformen und Geräten verwendet. Auch viele gängige Systeme im Alltag – etwa von Garmin – orientieren sich daran, wenn auch in vereinfachter Form.

Im Folgenden erhältst du einen detaillierten Überblick über die einzelnen Trainingszonen im Radfahren, inklusive ihrer physiologischen Bedeutung, konkreter Anwendungsbeispiele sowie der Möglichkeit, deine individuellen Zonen auf Basis deiner eigenen FTP direkt zu berechnen.

Trainingsbereiche im Radfahren nach Coggan (FTP-basierte Leistungszonen)
Zone Leistung HF Beschreibung Physiologie Ziel
Zone 1 – Aktive Erholung < 55% < 65% Sehr leicht Regeneration, Kapillarisierung Erholung
●● Zone 2 – Grundlage 56–75% 66–79% Locker rein aerobes Belastungsniveau
Zone des maximalen Fettstoffwechsels
keine signifikante Laktatbildung
Aerobe Basis
●●● Zone 3 – Tempo 76–90% 80–88% Zügig aerob-anaerober Übergang
erster, leicher Laktataufbau
zunehmender Kohlenhydratstoffwechsel
Tempo-Ökonomisierung
●●●● Zone 4 – Schwelle 91–105% 89–94% Hart maximaler Laktat-Steady-State
reiner Kohlenhydratstoffwechsel
FTP / Schwellenleistung steigern
●●●●● Zone 5 – VO2max 106–120% 95–max* Sehr intensiv Energiegewinnung aus anaerober Glycolyse
hohe Laktatbildungsrate
VO2max Steigerung
●●●●●● Zone 6 – Anaerob 121–150% 95–max* Sehr kurz stark anaerob
hohe Laktatbildungsrate
Vergrößerung anaerober Kapazität und Laktattoleranz
●●●●●●● Zone 7 – Sprint max max* All-out Effort, wenige Sekunden neuromuskuläre Aktivierung
Energiebereitstellung über Kreatinphosphat
Maximalkraft

* Die Herzfrequenz reagiert bei hohen Intensitäten verzögert und erreicht oft erst spät ihren Maximalwert. Ab Zone 5 ist sie daher nur eingeschränkt zur Steuerung geeignet, in den Zonen 6 und 7 praktisch nicht mehr.

Berechne Deine Trainingszonen
Gib Deinen FTP Wert oder Deine HF max ein:
Zone Watt HF
Zone 1
Zone 2
Zone 3
Zone 4
Zone 5
Zone 6
Zone 7

Vom Wissen zum Workout

Jeder Trainingszone können nun spezifische Trainingseinheiten zugeordnet werden, um einen gezielten Trainingsreiz zu setzen.

Trainingsbeispiele
Zone Typische Einheit Dauer / Intensität Beispiel-Workout
Zone 1 – Erholung sehr lockere Fahrt 30–60 min sehr locker 45 min Recovery Ride bei sehr niedriger Intensität (kein Druck auf dem Pedal, nur die Beine locker rotieren lassen
Zone 2 – Grundlage Grundlagenausdauerfahrt 2–5 h gleichmäßig 3 h Grundlagen-Ausfahrt konstant im aeroben Bereich @65-70% FTP
Zone 3 – Tempo Tempo-Blöcke / Sweet Spot längere Tempo-Abschnitte oder Kraftausdauer-Blöcke Tempo: 3 × 20 min Tempo @85% FTP mit 5 min locker dazwischen
Kraftausdauer: 5x 6 min K3 @90% FTP mit 55 rpm Trittfrequenz, dazwischen 3 min locker
Zone 4 – Schwelle Sweet Spot / Threshold 2-5 Blöcke mit 8-12 min im Schwellenbereich 3 × 12 min @95-100% FTP mit 4-8 min locker dazwischen
Zone 5 – VO2max Intervalle kurz 3–6 min Intervalle 5 × 4 min VO2max @105-110% FTP mit 4 min locker dazwischen
Zone 6 – Anaerob sehr harte Sprints 30 sek - 3 min Intervalle 8 × 90 sek @130-140% FTP mit 3 min locker
Zone 7 – Sprint Maximalsprints 5-10 sek maximaler Krafteinsatz 6 × 10 sek maximale Beschleunigung aus dem Stand, dazwischen 5 min locker

Vom Workout zum Trainingsplan

Wie Du das Radtraining für Deine Wettkampfvorbereitung ausgestalten kannst, zeigen wir Dir anhand von drei exemplarischen Wochenplänen. Alle Pläne sind in der Aufbauphase (Build Phase) angesiedelt. Da es sich aber um unterschiedliche Wettkampfdistanzen handelt, setzen die drei Wochenpläne unterschiedliche Schwerpunkte der Belastungssteuerung. Gib Deinen FTP Wert ein und alle Trainingseinheiten werden automatisch danach berechnet.

W – automatische Anpassung aller Trainingsbereiche
Olympische Distanz – Build Phase
Tag Einheit Schwerpunkt Gesamttdauer Rad Lauf Ziel
Montag Recovery Ride (Z1) locker pedalieren @ 45–60 min optional: 20–30 min locker Regeneration
Dienstag VO2max Intervalle (Z5) 6x 3min @ 60–75 min Entwicklung der Wettkampfgeschwindigkeit
Mittwoch Grundlage (Z2) gleichmäßig @ 90–120 min 20–40 min locker Aerobe Basis
Donnerstag Schwelle (Z4) 3x10min @ 60–75 min 10–20 min Koppel Wettkampfspezifische Tempohärte
Freitag Recovery (Z1) locker @ 45–60 min 20–30 min optional Beine lockern, Stoffwechselendprodukte abbauen
Samstag Long Ride (Z2) + Brick Run (Z4) 2-3 h Grundlage Rad @ 120–150 min 20–40 min Brick Run Ausdauer / Race Simulation
Sonntag Tempo Ride (Z3) 1x 45 min Tempo / Sweet Spot @ 75–90 min 15–20 min optional Belastunsgtoleranz
Mitteldistanz – Build Phase
Tag Einheit Schwerpunkt Gesamttdauer Rad Lauf Ziel
Montag Recovery Ride (Z1) Z1 @ 60 min optional: 20–30 min locker Regeneration
Dienstag Schwelle (Z4) 3x 12–15min @ 75–90 min FTP Aufbau + Entwicklung Race Pace
Mittwoch Grundlage (Z2) konstant @ 120–150 min 30–45 min Grundlage (Z2) Aerob
Donnerstag Tempo / Sweet Spot (Z3) 2x 20min @ 75–90 min 15–25 min Koppel Ökonomiesierung und Tempohärte im Bereich des Wettkampftempos
Freitag Recovery (Z1) locker @ 45–60 min optional: 20–30 min locker Beine lockern, Stoffwechselendprodukte abbauen
Samstag Long Ride (Z2) + Brick Run (Z3) 2,5-3 h @ 150–180 min 30–50 min Brick Run (separat, kein Koppel) Wettkampfsimulation
Sonntag Tempo Ride (Z3) 1x 60 min @ 90–120 min 20–30 min locker Belastungstoleranz
Ironman Langdistanz – Build Phase
Tag Einheit Schwerpunkt Dauer Ziel
Montag Recovery Ride (Z1) Z1 @ 60–75 min optional: 30–40 min locker Regeneration
Dienstag Tempo / Race Pace (Z3) 2x 20-30min @ 90 min Ironman Pace entwickeln
Mittwoch Grundlage (Z2) konstant @ 150–180 min 40–60 min Grundlage (Z2) Fettstoffwechsel
Donnerstag Tempo konstant (Z3) 60–75min @ 90–105 min 20–30 min Koppel Ökonomiesierung und Tempohärte im Bereich des Wettkampftempos
Freitag Recovery (Z1) locker @ 60 min optional: 30 min locker Erholung
Samstag Long Ride (Z2) + Brick (Z2) 3-4 h @ 180–240 min 60 min Brick Run (kein Koppel) Langdistanz-Simulation
Sonntag Aerobe Grundlage (Z2) Z2 @ 90–120 min optional: 30–45 min locker Umfangsaufbau

Vergleich der Trainingscharakteristik

Die drei Trainingspläne unterscheiden sich primär in der Gewichtung von Intensität und Umfang. Während die Olympische Distanz deutlich intensiver strukturiert ist, verschiebt sich der Schwerpunkt Richtung Mitteldistanz und Ironman zunehmend auf Ausdauer und metabolische Ermüdungsresistenz.

Olympische Distanz
Intensitäthoch
Umfangmittel
Ermüdunghoch

Fokus auf VO2max, Schwelle und Race Pace unter hoher Intensität.

Mitteldistanz
Intensitätmittel
Umfanghoch
Ermüdungmittel

Balance aus Schwelle, Sweet Spot und langen aeroben Einheiten.

Ironman Langdistanz
Intensitätniedrig
Umfangsehr hoch
Ermüdunglanganhaltend

Dominanz von Zone 2 mit Fokus auf Fettstoffwechsel und Dauerbelastung.