Wasserstart beim Ironman Hawaii. Athleten in blauer Badekappe warten auf den Startschuss

Kona– das große Ziel vieler Triathletinnen und Triathleten. Von 2023-2025 wurde die IRONMAN-WM geschlechtergetrennt auf Hawaii und in Nizza ausgetragen. Ab 2026 sollen sich nun die Besten der Besten wieder an einem Tag, in einem Rennen auf der Pazifikinsel messen. Mit der Rückkehr zu alten Werten passt IRONMAN die Spielregeln für die WM-Quali allerdings an.

Doch wie genau funktioniert die Qualifikation für den IRONMAN Hawaii? Der Schlüssel liegt im offiziellen Slotvergaberegelment von IRONMAN. Dieser Beitrag erklärt verständlich und detailliert, wie Slots vergeben werden, welche Regeln gelten und worauf Athleten und Athletinnen achten müssen.

Die heiß begehrten Slots für die IRONMAN World Championship werden künftig nicht mehr allein nach Platzierungen in der Altersklasse vergeben, sondern auch nach Leistung – objektiver, globaler, und ein bisschen mathematisch. Klingt trocken? Ist es irgendwie auch. Aber es soll, laut Ironman, fairer werden.

Eine Triathletin in der Hocke vor einer hellblauen Plane beim IRONMAN Hawaii. Sie zeigt auf ihren Namen.

Foto: triathlon.de / Theo Kazis

Grundprinzip der Qualifikation für den IRONMAN Hawaii

Die wichtigste Grundregel

  • die Platzierung innerhalb der Altersklasse zählt
  • getrennt nach Männern und Frauen
  • Es gibt keine Zeitnormen

Bisher war die Slot-Vergabe vergleichsweise simpel: Die Qualifikation für Kona erfolgt über offizielle IRONMAN- und ausgewählte IRONMAN-70.3-Rennen. Bei diesen Veranstaltungen werden eine festgelegte Anzahl an Qualifikationsplätzen („Slots“) für die Weltmeisterschaft vergeben. Typischerweise gibt es pro Rennen zwischen 40 und 75 Kona-Slots, die auf alle Altersklassen aufgeteilt werden. Wer in seiner Age Group also weit vorne landete, durfte auf einen der begehrten Startplätze hoffen – je nach Größe der Altersklasse und Gesamtzahl der verfügbaren Tickets. Wurde ein Slot von einem Athleten oder Athletin nicht angenommen, ging dieser innerhalb der Age Group an den oder die nächstplatzierten Nachrücker (Rolldown-Verfahren).

Erweiterung der Qualifikationsmöglichkeiten

Das grundlegende Prinzip bleibt zunächst: Jedes IRONMAN-Rennen hat weiterhin eine festgelegte Zahl an WM-Slots. Der Altersklassen-Sieger darf seinen Slot direkt annehmen – Glückwunsch, der Flug nach Hawaii kann gebucht werden! Im Anschluss kommt nun das neue System zu tragen:

DER PERFORMANCE POOL

Die wichtigsten Regeln im Überblick

  • nach den AK Gewinnern werden die weiteren Slots im Rahmen von Performance Pools vergeben
  • hier werden die zeitschnellsten Athletinnen und Athleten des Rennens altersklassenübergreifend, aber geschlechtergetrennt gerankt
  • Zeiten werden nach einem Berechnungsfaktor altersgerecht vergleichbar gemacht
  • es gibt jeweils einen eigenen Performance Pool für Männern und Frauen
Drei Triathletinnen beim Radfahren auf Hawaii. Aufnahme von vorn. Sie fahren hintereinander, der Asphalt flimmert.

Foto: Don Miralle for IRONMAN

Die weiteren Slots werden über den Performance Pool vergeben und hier geht es um die Zeit, die man erreicht hat. Wenn man bisher eine sehr schnelle Gesamtzeit abgeliefert, aber das Pech hatte, dass die Altersklasse so stark besetzt war, dass man mit seiner Zeit "nur" Dritter / Vierter / Fünfter in der AK wurde, ging man trotzdem leer aus. Das soll sich mit dem Performance Pool ändern. Hier werden zusätzliche Slots – unabhängig von ihrer Altersklasse - an die schnellsten Athletinnen und Athleten im Rennen vergeben. Das Ganze soll, laut Ironman, transparenter, fairer und – zumindest in der Theorie – gerechter sein.

PERFORMANCE POOL - so funktioniert's

Bei der neuen Qualifikationslogik für die Kona-Slots wird zunächst für jede Altersgruppe und jedes Geschlecht ein sogenannter „Kona Standard“ ermittelt – also eine Benchmark-Zeit, mit der alle Athleten vergleichbar gemacht werden sollen. Konkret geschieht das folgendermaßen:

Man nimmt die Ergebnisse der letzten fünf Ausgaben der Kona-Weltmeisterschaft und in jeder Altersgruppe die besten 20 % der Teilnehmenden dieser Altersgruppe. Aus diesen Zeiten wird ein Durchschnitt gebildet – das ergibt die Basiszeit für die Altersgruppe. Die aktuell schnellsten Altersgruppen sind bei Frauen und Männern AK30-34. Sie sind die Benchmark und werden mit Faktor 1,0 bewertet. Für alle anderen Altersklassen wird nun ein individueller Multiplikator (Faktor) gemäß der beschriebenen Top-20%-Durchschnittszeit ermittelt.

Kona Standard Faktor

Altersgruppe Männer Frauen
18–24 0.9698 0.9543
25–29 0.9921 0.9982
30–34 1.0000 1.0000
35–39 0.9895 0.9877
40–44 0.9683 0.9699
45–49 0.9401 0.9470
50–54 0.9002 0.9051
55–59 0.8667 0.8665
60–64 0.8262 0.8041
65–69 0.7552 0.7606
70–74 0.6876 0.7173
75–79 0.6768 0.6150
80–84 0.5555 TBD*
85–89 0.5416 TBD*

*TBD = noch festzulegen, da in den letzten fünf Jahren keine Finisher in diesen Altersgruppen vorhanden waren.

Wenn du nun bei einem Qualifikationsrennen eine Finisher-Zeit hast, wird diese mit dem Faktor deiner Altersgruppe multipliziert – dein daraus abgeleiteter „age-graded“ Wert ermöglicht den Vergleich mit Athleten anderer Altersgruppen und Geschlechter. Kompliziert? Schauen wir uns zwei fiktive Beispiele an:

Beispiel 1

Eine Frau, 46 Jahre (W45-49), mit einer Finisherzeit von 10:36:51 Stunden erhält bei einem Faktor von 0,9470 eine age-graded Zeit von 10:09:46 Stunden (10:36:51 × 0,9470).

Beispiel 2

Ein Mann, 53 Jahre (M50-53), mit einer Finisherzeit von 9:58:14 Stunden erhält bei einem Faktor von 0,9002 eine age-graded Zeit von 8:58:32 Stunden (9:58:14 × 0,9002).

Diese age-graded Zeiten werden für alle Athletinnen und Athleten eines IRONMAN Rennen berechnet und bilden das Ranking des Performance Pools - damit sind dann die erzielten Zeiten von 18- und 80-Jährigen miteinander vergleichbar und bilden ein Ranking. Dabei gibt es einen eigenen Performance Pool für Frauen und für Männer.

Wieviele Slots gibt es in den Performance Pools

Die Größe der Pools für Frauen und Männer ist abhängig von:

  • den Gesamtslots für das Rennen
  • vom proportionalen Verhältnis Frauen - Männer im Wettkampf

Gesamtzahl Slots:

Angenommen ein Rennen verfügt über 55 Gesamtslots. Davon gehen z.B. 20 an die Altersklassen-Gewinner ( 1. Mann und 1. Frau AK 18-24 / 25-29 / 30-34 / 35-39 / 40-44 / 45-49 / 50-54 / 55-59 / 60-64 / 65-69). Damit verbleiben 35 Slots, die auf die Performance Pools aufgeteilt werden.

Aufteilung Performance Pools:

Die Aufteilung der verbleibenden Slots auf die Performance Pools ergibt sich dann aus dem prozentualen Verhätnis von Frauen und Männern im gesamten Starterfeld. Beträgt der Anteil von Männern zum Beispiel 69% und der von Frauen 31% am gesamten Teilnehmerfeld, werden auch die geschlechterspezifischen Performance Pools nach diesem Verhältnis aufgsplittet. Das bedeutet, von den 35 gesamt Perfomance-Slots werden 24 dem Performance Pool für Männer und 11 dem Performance Pool für Frauen zugeordnet.

Das bedeutet, dass sich in diesem Rennen zusätzlich zu den AK Gewinnern die 24 zeitschnellsten Männer und 11 Frauen nach dem age-graded Ranking einen Kona Slot erkämpft haben.

Was bedeutet das für Deine Rennstrategie?

Je näher bzw. besser du dich also an der Benchmark bewegst, desto besser deine Chance im Performance Pool. Entscheidend ist also, wie stark deine Leistung im Vergleich zum Kona-Standard ist.

Damit wird auch das Taktieren im Rennkalender spannender. Wo es viele Slots gibt, bleibt die Chance größer, aber wer in einem stark besetzten Feld abliefert, kann sich über die neue Leistungswertung trotzdem durchsetzen. Kurz gesagt: Nicht das Glück beim Rolldown entscheidet, sondern die Power in den Beinen.


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